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Innenlager & Tretlager

Gewinde oder Pressfit? Innenlager-Standard bestimmen und Gehäuse messen

Kaum ein Kauf am Fahrrad ist so fehleranfällig wie das Innenlager: Anders als bei Reifen oder Sattelstütze verrät ein einzelner Blick aufs Rad meist nicht, welcher der zahlreichen inkompatiblen Gewinde- und Pressfit-Standards in deinem Rahmen steckt – und ein falsch bestelltes Lager passt entweder gar nicht ins Gehäuse oder sitzt lose, ohne dass die Kurbel sauber und geräuschfrei läuft. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht nur das Gehäuse zählt: Auch die Kurbelachse (24 mm, 28,99 mm oder 30 mm) muss zum gewählten Lager passen. Bevor du bestellst, lohnt sich deshalb eine kurze, systematische Messung statt Rätselraten nach Rahmenmodell.

Der erste Schritt ist die Grundsatzfrage Gewinde oder Pressfit. Löse dazu die Lagerschalen mit einem passenden Werkzeug (z. B. Park Tool BBT-9) aus dem Gehäuse: Findest du im leeren Gehäuse ein sichtbares Schraubgewinde, hast du einen Gewinde-Standard vor dir (BSA, Italienisch oder T47). Ist die Bohrung dagegen glatt und ohne Gewinde, handelt es sich um Pressfit (PF30, BB30 oder BB86/92) – die Schalen waren eingepresst, nicht eingeschraubt. Bei Gewinde-Standards liefert die Drehrichtung beim Eindrehen ein zusätzliches, sehr zuverlässiges Indiz: Bei BSA lässt sich die rechte, antriebsseitige Schale als Losdreh-Schutz gegen den Uhrzeigersinn eindrehen – ein Linksgewinde! –, die linke Schale dagegen ganz normal im Uhrzeigersinn. Bei Italienisch dreht dagegen auch die rechte Schale im Uhrzeigersinn ein, kein Linksgewinde. Bist du dir bei der Gehäusebreite allein nicht sicher, klärt dieser Drehrichtungs-Check BSA von Italienisch eindeutig.

Steht Gewinde oder Pressfit fest, miss als Nächstes die Gehäusebreite mit dem Messschieber – sie trennt innerhalb jeder Familie die konkreten Standards. In der Gewinde-Welt ist 68 mm der typische BSA-Rennradstandard, 73 mm die breitere BSA-Variante, und 70 mm bei ansonsten sichtbarem Gewinde und rechtsdrehender rechter Schale ein Indiz für Italienisch. T47 erkennst du zusätzlich schon am auffällig großen Gewindedurchmesser von rund 47 mm, der die Rahmenöffnung fast vollständig ausfüllt – im Katalog aktuell mit 68 mm als Road-Variante geführt. Bei Pressfit-Gehäusen verrät die Breite vor allem Rennrad vs. MTB: BB86/92 misst je nach Variante rund 86,5 mm (Rennrad) oder 89,5–92 mm (MTB), BB30 sitzt bei 68 oder 73 mm.

Weil sich Pressfit-Gehäuse untereinander nicht per Gewinde, sondern nur per Innendurchmesser unterscheiden lassen, ist der Messschieber hier das entscheidende Werkzeug: 41 mm spricht für BB86/92, 42 mm für BB30 und 46 mm für PF30 – nur 1 bzw. 4 mm trennen die drei Standards, sauberes Messen statt Schätzen ist hier Pflicht. Verwechsle PF30 dabei nicht mit T47: Beide haben eine Bohrung von rund 46 mm, T47 ist aber zusätzlich mit einem Gewinde versehen – der Gewinde-Check aus Schritt eins klärt das eindeutig.

Neben dem Gehäuse bestimmt auch die Kurbelachse mit, welches Lager du brauchst, denn die Lagerschalen bzw. die darin sitzenden Kugellager müssen exakt zum Achsdurchmesser passen. Miss dazu den Durchmesser direkt am rechten Kurbelarm: 24 mm bei einer hohlen Stahlachse mit zweiteiliger Bauweise (zwei Klemmschrauben am linken Kurbelarm) deutet auf Hollowtech II hin, rund 29 mm – genau 28,99 mm, oft mit „DUB“ beschriftet – auf SRAM DUB, und eine durchgehende, nicht gestufte Achse von rund 30 mm auf eine reine 30-mm-Achse. Erst wenn Gehäusebreite bzw. -durchmesser UND Achsdurchmesser feststehen, lässt sich das passende Lager eindeutig bestimmen – ein 68-mm-BSA-Gehäuse etwa braucht je nach Kurbel ein anderes Lager, wenn die Achse 24 mm statt 30 mm misst.

Du hast Gewinde/Pressfit, Gehäusebreite bzw. -durchmesser und Achsdurchmesser gemessen und bist dir trotzdem unsicher? Der Finder für Innenlager (/de/innenlager/finder) führt dich mit wenigen Fragen zum passenden Standard.

Passende Standards

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