PM, FM oder IS? Bremssattel-Aufnahme erkennen – und den richtigen Adapter wählen
Am Bremssattel treffen drei Aufnahme-Welten aufeinander, und keine passt ohne Weiteres in die andere: Post Mount (PM), laut Magura „an den meisten Federgabeln und Rahmen“ im Einsatz, das laut road.cc rennradspezifische Flat Mount (FM) und die ältere IS-Aufnahme, im Handel meist IS 2000 genannt, die Magura heute als „seltener vorkommenden IS2000 Standard“ führt. Der Typ ist meist schnell geklärt; teuer wird es bei der zweiten Frage: Jede Aufnahme ist für eine bestimmte Scheibengröße ausgelegt, und für jede größere Scheibe kommt ein Adapter dazwischen.
Das zuverlässigste Erkennungsmerkmal ist das Maß, und SRAM benennt den Messweg: „measure the distance between the center of each bolt hole, to identify the fork mount“. Laut derselben Quelle bedeuten 74 mm Post Mount, 51 mm IS 2000, 70 mm an der Gabel bzw. 34 mm am Rahmen Flat Mount – gemessen an den Bohrungen in Rahmen bzw. Gabel, nicht an der Adapterplatte. Achtung, wenn du an der GABEL 34 mm misst: Das ist dort nicht die Flat-Mount-Gabelaufnahme, sondern die Bauvariante, die SRAM „Thru Bolt Fork“ nennt und im selben Kapitel „Flat Mount and Thru Bolt Standard“ führt: Dein Sattel bleibt ein Flat-Mount-Sattel, nur die Verschraubung geht durch das Gabelbein hindurch.
Ohne Messschieber hilft die Bohrung selbst. Post-Mount-Laschen tragen ein Gewinde, bei IS sitzt dagegen laut Velo Orange „an unthreaded tab welded to the frame or fork“, durch den laut MTB Direct quer hindurchgeschraubt wird („bolt in perpendicular to the frame/fork“). Gewinde gegen gewindelose Durchgangslasche ist der eigentliche Unterschied. Bei Post Mount greifen die Schrauben in der Radebene an – erwarte dort aber nicht überall dieselbe Richtung: an der Gabel greifen sie von vorn bzw. hinten, am Rahmen von oben. Flat Mount siehst du ohnehin sofort: Der Sattel liegt laut Velo Orange „flush/flat with the chain stay or fork“, die Schraubenköpfe sitzen unten.
Die zweite Frage – welche Scheibengröße deine Aufnahme nativ trägt – siehst du dem Rad nicht an, und fits.bike speichert sie bewusst nicht: Das ist eine Angabe pro Modell. Ist kein Adapter verbaut, hilft laut allmountain.ch der Blick auf die montierte Scheibe („Falls kein Adapter verbaut ist, kann die Grösse einfach an der Scheibe abgelesen werden“); sonst hilft die Herstellerangabe – laut Magura: „Die Angabe zu deinem Post Mount Standard erfährst du beim jeweiligen Hersteller deiner Federgabel bzw. deines Rahmens.“ Kläre dort im selben Zug die maximal zulässige Scheibengröße, die genauso wenig am Rahmen steht. SRAM verlangt das für Rennrad, Gravel und Cyclocross ausdrücklich: „Consult the fork or frame manufacturer’s specifications before installing a 140 mm or 180 mm rotor. These rotor sizes have compatibility limitations on many forks and frames.“ Für Post Mount verweist Magura genauso auf den Rahmen- bzw. Gabelhersteller. Ohne diese Freigabe ist auch der richtige Adapter der falsche Kauf.
Post-Mount-Adapter rechnen mit dem Zuwachs, nicht mit der Zielgröße – im Handel steht diese Zahl als Aufbauhöhe in den technischen Daten. MTB Direct rechnet die Fälle einzeln durch: „160mm post mount: 180mm rotor = +20mm“, und in derselben Liste 180 → 203 mm mit +23 mm sowie 180 → 220 mm mit +40 mm. Dieselbe Stufe +20 mm bringt dich also von 160 auf 180 mm, von einer 180er-Aufnahme aus dagegen auf 200 mm. Das ist keine Feinheit, denn die native Größe ist längst nicht überall 160 mm – laut MTB Direct gilt: „Most 2018+ ‚Enduro‘ forks (Pike, Yari, Lyrik, 36, Helm, Bomber Z1 etc) tend to have 180mm post mounts.“ Wer von dort auf 203 mm will, braucht +23 mm, nicht +43 mm und nicht +20 mm. fits.bike führt die gängigsten Stufen als Kaufkategorien, die Zwischenstufen gebündelt. Auf der Seite der Shimano-Adapter für 203 mm listete bike-components.de am 29.07.2026 drei Post-Mount-auf-Post-Mount-Ausführungen nebeneinander: „PM 6" auf PM +43 mm“, „PM 7" auf PM +23 mm“ und „PM 8" auf PM +3 mm“, alle drei lieferbar. Bei der großen Stufe lauert zusätzlich die 200-/203-mm-Falle: Laut MTB Direct „SRAM make 200mm rotors and Shimano/Hope make 203mm“. Auf der SRAM-Seite für 200-mm-Scheiben liegt der Unterschied deshalb in der Ausführung, nicht im Produkt: „PM 6" auf PM“ trägt 40 mm Aufbauhöhe und geht von einer 160er-Aufnahme aus, „PM 7" auf PM“ trägt 20 mm und geht von einer 180er-Aufnahme aus. Lies deshalb nicht die Zielgröße im Produkttitel, sondern die Aufbauhöhe in den technischen Daten.
In den anderen beiden Welten rechnet es sich anders. Bei Flat Mount bleiben die Scheiben klein – laut Velo Orange „Typical rotor sizes are either 140 and 160 mm“ –, und vorn gehört ohnehin immer eine Platte dazu (road.cc: „the front brake must be used with a slim adaptor“); sie lässt sich laut road.cc um 180 Grad wenden und deckt so beide Größen (140 und 160 mm) ab – gewendet wird aber nur innerhalb der Größenpaarung, für die die Platte ausgelegt ist: bike-components.de führt getrennte Ausführungen für 140/160-mm- und für 160/180-mm-Aufnahmen, und getrennt für Vorder- und Hinterrad. Auf einer IS-2000-Aufnahme kommt ein IS-Sattel laut der Adaptertabelle von allmountain.ch bei 160 mm ohne Adapter aus („Kein Adapter“, vorn wie hinten), für 180 und 203 mm braucht es einen eigenen – und der ist positionsgebunden, laut allmountain.ch „verschieden für Vorder- und Hinterrad“, anders als bei Post Mount, wo vorn und hinten dieselben Adapter passen. Für einen heutigen Post-Mount-Sattel auf einer IS-Aufnahme ist das Bracket dagegen keine Kür, sondern Bedingung: laut SRAM „To use a Post Mount caliper or a CPS Caliper on a IS frame or fork, you must use an IS bracket.“ Eine Richtung bleibt dagegen ganz zu: Einen Flat-Mount-Bremssattel auf eine Post-Mount-Aufnahme bringt im regulären Sortiment kein Teil – weder bike-components.de noch ROSE führen dafür einen Adapter, während beide das Gegenprogramm regulär listen.
Beim Bestellen wartet die eigentliche Fehlkauf-Falle: die Bezeichnung. bike-components.de schreibt <Aufnahme> auf <Bremssattel> und nennt den Adapter für einen IS-Sattel an einer Post-Mount-Aufnahme deshalb „VR PM auf IS“ – „VR“ steht für Vorderrad, „HR“ für Hinterrad. allmountain.ch dreht die Wortfolge um und benennt <Sattel> zu <Aufnahme> – dieselbe Kombination heißt dort „IS 2000 zu Post Mount“. Der häufigere umgekehrte Fall – Post-Mount-Sattel an IS-Aufnahme – heißt bei bike-components.de folgerichtig „VR IS auf PM“. Lies die Bezeichnung deshalb nie als Richtungspfeil, sondern prüf die technischen Daten, in denen Aufnahme und Bremssattel getrennt stehen. Und lies das „VR“ mit: Für einen IS-Sattel an einer Post-Mount-Aufnahme ist die Belegkette aufs Vorderrad beschränkt – plane fürs Hinterrad nicht damit.
Einen IS-Bremssattel gibt es als Neuteil praktisch nicht mehr – laut Velo Orange „‚IS brakes‘ do not exist anymore“ –, und dass eine Kombination hier als kompatibel geführt ist, heißt nicht, dass das Teil gerade lieferbar ist. Mit dem Adapter ändert sich außerdem die nötige Schraubenlänge: SRAM gibt die Einschraubtiefe aufnahme-spezifisch an, für Post Mount „there must be 9-13 mm of mounting bolt thread engagement“, für Flat Mount und Thru Bolt dagegen „5-7 mm“ – jeweils ausdrücklich auch mit Bracket („with or without brackets“, bei Post Mount „and/or spacers“). Die beiden Zahlen sind nicht austauschbar.
Bist du dir nach Maß, Gewinde-Check und Herstellerangabe immer noch unsicher, führt dich der Finder für Bremssattel & Adapter (/de/bremssattel/finder) in höchstens drei Fragen zur Antwort: erst die Aufnahme, dann der Bremssattel, den du montieren willst, zuletzt der Zuwachs zur nächstgrößeren Scheibe – mit dem passenden Adapter-Hinweis überall dort, wo ein Adapter nötig ist.