6-Loch oder Centerlock? Bremsscheiben-Aufnahme erkennen
Bevor du eine neue Bremsscheibe oder ein neues Laufrad kaufst, lohnt sich ein Blick auf die Aufnahme zwischen Scheibe und Nabe: Am Fahrrad haben sich zwei grundverschiedene Bremsscheiben-Standards etabliert, und beide sind bis heute weit verbreitet. Die 6-Loch-Aufnahme (auch International Standard oder IS genannt) ist laut Singletracks der ursprüngliche Scheibenbremsen-Standard – Scheibenbremsen kamen am Mountainbike Mitte der 1990er auf, „with the rotors attached via six bolts“ – und ist laut FeedTheHabit.com seit der späten 1990er „since it was adopted in the late 1990's“ herstellerübergreifend verbreitet; bis heute bleibt sie außerdem bei Rennrad und Gravel Standard, auch nach der Einführung von Centerlock. Centerlock führte Shimano laut Singletracks „in the early 2000s“ zuerst an den Gruppen XT und XTR ein und ist seither ebenfalls markenübergreifend verbreitet. Bestellst du eine Scheibe mit der falschen Aufnahme für deine Nabe – oder ein Laufrad mit der falschen Nabenaufnahme für deine vorhandenen Scheiben –, passt schlicht nichts zusammen, ohne dass sich das vorher an Preis oder Optik erkennen ließe.
Am zuverlässigsten erkennst du die Aufnahme an der Nabenseite der Bremsscheibe – oder direkt an der Nabe, wenn die Scheibe gerade abgenommen ist. Sechs Schrauben im Kreis um die Nabenmitte, meist mit Torx-T25-Antrieb, bestätigen 6-Loch/IS: Die Scheibe wird direkt in sechs Gewindebohrungen auf einem Lochkreisdurchmesser von 44 mm geschraubt, ein Lockring ist nicht nötig. Park Tool nennt für diese Schrauben ein Anzugsmoment von „about 4–6 Nm“. Siehst du stattdessen keine Schrauben, sondern eine feine Keilverzahnung, die von einem einzelnen Ring gehalten wird, ist es Centerlock: Laut Escape Collective ist dieser Spline heute markenübergreifend „standardised with a 35.5 mm-diameter splined interface“, das Anzugsmoment für den Lockring liegt laut Park Tool bei 40 Nm – deutlich mehr als bei den 6-Loch-Schrauben. Eine seltene Ausnahme an alten oder besonderen Rädern: Shimanos allererste Centerlock-Generation (Saint) nutzte laut Escape Collective kurzzeitig einen übergroßen 47-mm-Spline, der schon bald wieder aufgegeben wurde und mit heutigen Centerlock-Teilen nicht kompatibel ist.
Hast du Centerlock identifiziert, klärt sich die Werkzeugfrage erst am Lockring selbst, nicht an der Nabe. Es gibt zwei Lockring-Bauarten auf demselben Spline: Innenverzahnte Lockringe werden mit einem gewöhnlichen Kassetten-Abziehwerkzeug (HG-Stil) durch die Achsbohrung hindurch angezogen, außenverzahnte dagegen mit einem 16-Zahn-Werkzeug von außen, baugleich mit gängigen Innenlager-Werkzeugen. Park Tool warnt ausdrücklich: „Internally splined lockrings may be incompatible with some hub axle sizes. A lockring tool cannot engage in this configuration.“ Laut Escape Collective liegt der Grund in der Achsdicke: „Larger thru-axles – namely the 15 and 20 mm sizes found on mountain bikes – demanded a lockring with more space, and that's where external lockrings first appeared.“ Als Faustregel gilt deshalb: MTB-Naben mit dicken Steckachsen (15 oder 20 mm) tragen meist außenverzahnte Lockringe, Rennrad-/Gravel-Naben mit dünneren Achsen meist innenverzahnte – aber mit Ausnahmen in beide Richtungen. Verlass dich deshalb nicht aufs Raten, sondern schau dir die Kerben am Lockring direkt an: Kerben außen am Rand bedeuten 16-Zahn-Werkzeug, eine glatte Außenseite mit Verzahnung nur innen bedeutet Kassetten-Abzieher.
Hast du eine 6-Loch-Scheibe, aber eine Centerlock-Nabe (oder planst umgekehrt), gilt: Nur eine Richtung funktioniert. Ein Centerlock-auf-6-Loch-Adapter – etwa von DT Swiss, bei bike-components.de als eigenes Produkt gelistet – wird auf den Spline der Centerlock-Nabe montiert und stellt darauf sechs Gewindebohrungen bereit, in die sich eine 6-Loch-Scheibe schrauben lässt. Der umgekehrte Weg, eine Centerlock-Scheibe auf eine 6-Loch-Nabe, ist dagegen mechanisch unmöglich: Der Centerlock-Scheibe fehlt an der Nabe schlicht die passende Keilverzahnung zum Aufschieben, sechs Gewindebohrungen allein reichen dafür nicht. Kaufst du also eine Scheibe für eine Nabe mit anderer Aufnahme, funktioniert das nur, wenn die Nabe Centerlock hat und die Scheibe 6-Loch ist – nicht andersherum.
Bist du dir nach diesem Blick auf Schrauben, Verzahnung und Lockring immer noch unsicher, führt dich der Finder für Bremsscheiben (/de/bremsscheiben/finder) mit einer Frage direkt zur passenden Aufnahme.